Kaffee und Klima: was sich auf den Plantagen wirklich ändert
Eine Pflanze mit engen Ansprüchen
Seit über fünfzehn Jahren kaufen wir Kaffee ein und sehen, wie sich das Angebot der Lieferanten von Jahr zu Jahr verändert. Der Grund liegt am Ursprung, auf der Plantage.
Arabica gedeiht am besten in einem engen Temperaturbereich, etwa zwischen achtzehn und zweiundzwanzig Grad. Darüber gerät die Blüte aus dem Takt, und die Früchte reifen ungleichmäßig.
Sie braucht zudem eine Trocken- und eine Regenzeit in fester Reihenfolge. Regen zur falschen Zeit kann Blüten außerhalb der Saison auslösen, und die Ernte zieht sich dann über Wochen statt Tage.
Robusta verträgt mehr: höhere Temperaturen, niedrigere Lagen und unregelmäßige Niederschläge. Deshalb wächst ihr Anteil an der Weltproduktion, nicht wegen einer Mode zur Bitterkeit.
Diese Ansprüche erklären, warum Kaffee eine empfindliche Ware ist. Man verschiebt ihn nicht um einige hundert Kilometer, denn mit der Breite müssten Höhe, Boden und Jahreszeitenrhythmus mitwandern.
Die folgenden Veränderungen sind keine Prognose, sondern beschreiben, was Erzeuger heute berichten.
Was Erzeuger berichten
Die erste Veränderung betrifft die Vorhersehbarkeit. Bauern sprechen weniger von einem wärmeren Klima als davon, dass die Jahreszeiten nicht mehr pünktlich sind.
Die zweite ist die Verlagerung des Anbaus nach oben. Wo früher Arabica auf sechshundert Metern stand, pflanzt man heute höher, weil es unten zu warm geworden ist. Höhe ist jedoch endlich.
Die dritte sind Krankheiten. Der Kaffeerost, ein früher durch kühle Nächte gebremster Pilz, tritt bei höheren Temperaturen in Lagen auf, die er zuvor nicht erreichte.
Die vierte ist Wasser. Dürren im Wechsel mit Starkregen zerstören Blüten und erschweren das Trocknen der Ernte, und beim Trocknen geht eine gute Partie am leichtesten verloren.
Praktisch heißt das: Die Unterschiede zwischen den Jahrgängen sind größer als früher. Derselbe Erzeuger kann zwei Partien mit deutlich anderem Profil liefern.
Für Röstereien bedeutet das mehr Arbeit beim Komponieren der Mischungen, denn das Ziel bleibt gleich: ein konstanter Geschmack in der Tasse.
Was das nicht bedeutet
Man sollte Beobachtungen von katastrophischen Schlagzeilen trennen, denn letztere verfehlen meist die Zeitskala.
Kaffee verschwindet in den nächsten Jahren nicht. Die Anbaufläche verschiebt sich, sie schrumpft nicht auf null, und Bauern passen Sorten und Pflanzweise seit Langem an.
Was sich ändert, ist die Struktur des Angebots: mehr Robusta, mehr widerstandsfähige Sorten, weniger berechenbare Hochlandkaffees.
Auch der Schatten gewinnt an Bedeutung. Der Anbau unter Bäumen senkt die Temperatur um die Pflanzen um einige Grad und stabilisiert die Feuchtigkeit; er kehrt nach Jahrzehnten des Anbaus in voller Sonne zurück.
Ebenso wenig hängt alles vom Klima ab. Die Qualität einer Partie hängt weiterhin am stärksten davon ab, wie die Früchte geerntet und getrocknet wurden, also von der Arbeit der Menschen.
Darüber schrieben wir ausführlicher im Text zu den Anbauregionen.
Wie es in der Tasse ankommt
Die Kundschaft sieht die Plantage nicht, doch die Folgen zeigen sich an drei Stellen.
Erstens in der Zusammensetzung der Mischungen. Sie enthalten häufiger einen größeren Robusta-Anteil, was vollen Körper und dichtere Crema gibt, aber weniger blumige Noten.
Zweitens in der Verfügbarkeit sortenreiner Kaffees. Partien einzelner Farmen sind kleiner und schneller ausverkauft, und die nächste Lieferung schmeckt nicht immer gleich.
Drittens in der Saisonalität. Die frische Ernte einer Region kommt in anderen Monaten als früher, der bevorzugte Kaffee kann also zeitweise fehlen.
Nichts davon bedeutet schlechteren Kaffee. Es bedeutet, dass Mischungen die sichere Wahl sind, wenn Ihnen Konstanz wichtig ist, und sortenreine Kaffees ein saisonales Vergnügen bleiben.
In unserem Kaffeesortiment halten wir einen festen Kern an Mischungen und lassen saisonale Positionen darum rotieren.
Was in der Küche von uns abhängt
Der Einfluss eines Haushalts auf das Klima ist gering, der auf die Kaffeeverschwendung nicht. Und das ist der kontrollierbare Teil.
Der größte Verlust ist weggeworfener, weil schal gewordener Kaffee. Die Menge zu kaufen, die in drei bis vier Wochen verbraucht wird, wirkt hier mehr als jedes Siegel auf der Packung.
Zweitens die Dosis. Ein falscher Mahlgrad bedeutet eine weitere Tasse im Ausguss und damit vergeudetes Wasser und Strom.
Drittens die Verpackung. ESE-Pads sind kompostierbar, ein Teil der Kapseln wird in eigenen Kreisläufen recycelt, und Kaffeesatz hat im Haushalt mehr Verwendungen als gedacht.
Was mit gebrauchten Kapseln zu tun ist, haben wir in einem eigenen Text beschrieben, samt dem, was Sammelstellen wirklich annehmen.
Kompostierbare ESE-Pads führen wir gerade deshalb, weil sie das Abfallproblem lösen, ohne die Bequemlichkeit aufzugeben.
Drei Dinge zum Schluss
Erstens: Kaffee ist ein Agrarprodukt und war immer schwankend. Neu ist, dass die Schwankung zugenommen hat, nicht dass es sie gibt.
Zweitens: Mischungen existieren auch, um diese Schwankung zu glätten. Sie sind sortenreinen Kaffees nicht unterlegen, sie verfolgen ein anderes Ziel.
Drittens: In Ihrer Küche machen Frische und Zubereitung den größten Unterschied, nicht ein Siegel oder das Land auf der Packung.
Fehlt Ihre bevorzugte Sorte einige Wochen, schlagen wir gern einen Ersatz mit ähnlichem Profil vor, nicht einfach einen aus demselben Land.
Unser Team steht bereit: kontaktieren Sie uns bitte und beschreiben Sie, was Sie bisher getrunken haben.
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