Kaffee und Gesundheit: was die Studien wirklich sagen
Was wir wissen und was nicht
Seit über fünfzehn Jahren verkaufen wir Kaffee, und immer wieder erreicht uns dieselbe Frage: schadet er oder nützt er. Die Antwort hängt davon ab, wie man die Studien liest.
Fast alles, was über Kaffee und Gesundheit bekannt ist, stammt aus Beobachtungsstudien. Forscher begleiten große Gruppen über Jahre und vergleichen Kaffeetrinkende mit Nichttrinkenden.
Ein solches Design zeigt einen Zusammenhang, keine Ursache. Wer Kaffee trinkt, unterscheidet sich auch in anderer Hinsicht, und ein Teil dieser Unterschiede entzieht sich stets der Messung.
Deshalb vermeiden wir das Wort «verursacht». Wir beschreiben das Beobachtete und zeigen, wo die Daten übereinstimmen und wo sie auseinandergehen.
Der zweite Punkt ist die Dosis. Die Ergebnisse betreffen meist drei bis vier Tassen täglich, nicht beliebige Mengen, und sie meinen gebrühten Kaffee, nicht gesüßte Kaffeegetränke.
Herz und Blutdruck
Hier hat sich das Bild am stärksten gewandelt. Jahrzehntelang galt Kaffee als Belastung für das Herz, heute bestätigen große Analysen das bei gesunden Menschen nicht.
Übersichtsarbeiten mit Hunderttausenden Teilnehmenden zeigen, dass moderater Konsum mit einem etwas geringeren Herz-Kreislauf-Risiko einhergeht als völliger Verzicht. Die Unterschiede sind klein und gelten nicht für alle Gruppen.
Zugleich hebt Koffein den Blutdruck kurz nach dem Trinken tatsächlich an. Bei regelmäßigem Konsum schwächt sich der Effekt ab, bei gelegentlichem fällt er deutlicher aus.
Wer unter Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen leidet, klärt die Menge bitte mit der Ärztin oder dem Arzt, nicht mit einem Artikel im Netz, auch nicht mit diesem.
Und: Tasse ist nicht gleich Tasse. Wie viel Koffein wirklich in der Tasse landet, haben wir im Text über Koffein in der Tasse aufgeschlüsselt.
Zwei Dinge, die Schlagzeilen gern vermengen, sollte man trennen: den kurzfristigen Blutdruckanstieg nach einer Tasse und das langfristige Herzrisiko. Das sind zwei verschiedene Phänomene, die völlig unterschiedlich gemessen werden.
Leber und Stoffwechsel
Hier sind die Daten besonders einheitlich und wiederholen sich in verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Regelmäßiger Kaffeekonsum geht mit einem geringeren Risiko für Lebererkrankungen einher, Zirrhose eingeschlossen.
Bemerkenswert ist, dass die Beobachtungen auch entkoffeinierten Kaffee umfassen, was auf andere Bestandteile als das Koffein hindeutet, etwa die beim Rösten entstehenden phenolischen Verbindungen.
Ähnlich beim Typ-2-Diabetes: Zahlreiche Analysen zeigen ein niedrigeres Risiko bei regelmäßigem Konsum, wobei der Zusammenhang schwächer wird, wenn das Getränk stark gesüßt ist.
Dieser letzte Vorbehalt ist wichtig. Ein großer Teil des in Studien sichtbaren Nutzens betrifft schwarzen Kaffee, nicht ein Dessert in der Tasse.
Wer Koffein reduzieren möchte, ohne auf das Ritual zu verzichten, findet bei uns einen Text über entkoffeinierten Kaffee und Aufgüsse.
Aufmerksamkeit, Stimmung und Kopf
Die Wirkung von Koffein auf die Wachheit gehört zu den bestbelegten Befunden des Feldes und zeigt sich schon bei einer Tasse.
Der Mechanismus ist bekannt: Koffein blockiert Adenosinrezeptoren, also jenen Stoff, der im Tagesverlauf ansteigt und Müdigkeit signalisiert. Die Müdigkeit verschwindet nicht, sie wird aufgeschoben.
Deshalb ersetzt Kaffee keinen Schlaf. Er verschiebt dessen Wahrnehmung, während das Defizit weiter wächst und abends oder am nächsten Tag zurückkehrt.
In Studien zur Stimmung zeigen Kaffeetrinkende etwas seltener depressive Symptome, doch die Richtung des Zusammenhangs ist offen: Möglicherweise beeinflusst das Befinden die Gewohnheit und nicht umgekehrt.
Ein eigenes Kapitel ist der Sport, wo Koffein die stärksten Belege aller Anwendungen hat. Wir haben sie im Text über Kaffee und Training gesammelt.
Wie viel und wann
Europäische Behörden für Lebensmittelsicherheit gehen davon aus, dass für gesunde Erwachsene rund vierhundert Milligramm Koffein pro Tag unbedenklich sind.
In der Praxis sind das etwa vier Espressi oder drei größere Tassen Filterkaffee, mit teils deutlichen Unterschieden zwischen Mischungen und Zubereitungsarten.
Der Zeitpunkt zählt mehr als die Menge. Koffein wird über mehrere Stunden abgebaut, deshalb kann ein Kaffee am Nachmittag den Schlaf verkürzen, auch wenn das Einschlafen normal wirkt.
Eine praktische Regel für die meisten: der letzte starke Kaffee sechs bis acht Stunden vor dem Zubettgehen, danach ein entkoffeinierter Kaffee oder ein Aufguss.
Wer deutlich stärker oder schwächer auf Koffein reagiert als sein Umfeld, macht nichts falsch. Das Tempo des Koffeinabbaus ist individuell und unterscheidet sich um ein Mehrfaches.
Hilfreich ist die einfache Beobachtung des eigenen Tages. Verkürzt sich der Schlaf, obwohl das Einschlafen leichtfällt, ist der Kaffee am Nachmittag der erste Kandidat zum Verschieben, nicht der am Morgen.
Wer vorsichtig sein sollte, und was daraus folgt
Zurückhaltung gilt vor allem in der Schwangerschaft, wo meist eine Grenze von etwa zweihundert Milligramm Koffein täglich genannt wird, sowie in der Stillzeit.
Vorsicht ist ebenso bei Angststörungen, Reflux, Magengeschwüren und Medikamenten geboten, die mit Koffein wechselwirken. In all diesen Fällen entscheidet die Ärztin oder der Arzt, keine Tabelle.
Kinder und Jugendliche sind eine eigene Gruppe: Die Empfehlungen liegen deutlich niedriger als für Erwachsene, und die Hauptquelle für Koffein ist oft nicht Kaffee, sondern Energydrinks.
Für alle anderen fällt das Fazit der Forschung ruhig aus. Moderater Kaffeekonsum passt in einen gesunden Lebensstil, und die meisten in den Daten beobachteten Unterschiede sind klein.
Die Qualität der Bohne ändert diese Schlüsse nicht, wohl aber den Genuss. Wir wählen unsere Bohnen und gemahlenen Kaffee so aus, dass sie auch ohne Zucker überzeugen; bei Fragen steht unser Team bereit, kontaktieren Sie uns bitte.
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